Kein Widerspruch: Tablets und Buntstifte

Tablet im Unterricht
Die digitale Aufgabenstellung wird per Stift auf dem Papier bearbeitet.

Auszubildende zum Industriemechaniker arbeiten im Unterricht an der Grafenbergschule jetzt auch digital

Im Klassenraum arbeiten rund 20 Auszubildende der Industriemechanik. Auf jedem Tisch steht ein Tablet-Computer, konzentriert zeichnen die Schüler mit Holzbuntstiften auf Papier. Die Aufgabe: Es gilt zu veranschaulichen, wie lange ein bereits gebogenes Werkstück im Urzustand sein muss, damit es den entsprechenden Winkel erfüllt.

Tablet und Buntstifte, ist das kein Widerspruch? „Keineswegs“, sagt Denis, „wir müssen die Informationen, die der Lehrer digital bereitstellt, auf Papier umsetzen. Und wenn ich etwas noch nicht ganz verstanden habe, kann ich mir in meinem Tempo die Informationen entweder im Internet oder im Material des Lehrers beschaffen.“ Wäre es da nicht sinnvoller, die Klassenkameraden zu fragen? „Das machen wir trotzdem“, meint ein anderer Schüler, und in der Tat herrscht eine ruhige, konzentrierte, aber gleichzeitig kommunikative Atmosphäre in der Klasse. Digitale Arbeitsblätter, Anschauungsvideos, Berechnungen die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten insbesondere in der technischen Berufsschule scheint schier unbegrenzt. Wenn die Schüler ein Arbeitsblatt bearbeitet haben, legen sie es in einem Tauschordner ab, auf den der Lehrer und die Mitschüler Zugriff haben. So kann der Lehrer die Arbeiten kontrollieren und kommentieren, die Schüler ihrerseits können die Arbeiten gegenseitig einsehen, was bei Projekten, die in der Gruppe erstellt werden, ungemein praktisch und zeitsparend ist.
Im Laufe des dreijährigen Projekts, vom Regierungspräsidium initiiert und von Jochen Mann, Fachberater für Kraftfahrzeugtechnik am Regierungspräsidium, und Matthias Mucha betreut, sollen digitale Unterrichte grundlegend entwickelt und angewendet werden. Mit Geldern aus dem Schulhaushalt, Spenden durch den Verein der Freunde der Grafenbergschule und Betriebe hat die Grafenbergschule zwei Wagen mit je 30 Tablets angeschafft. Diese werden von den Lehrkräften über den Outlookkalender gebucht, damit es keine Überschneidungen gibt. Zu Beginn sollten natürlich die Lehrer selbst den sinnvollen Einsatz der Tablets beherrschen. Also besuchten mehr als 60 Lehrerinnen und Lehrer der Metall- und Elektroabteilung eine entsprechende Fortbildung. Die Abteilungsleiter Matthias Funk und Claudia Breusch sehen einen großen Vorteil darin, dass die Fortbildungsleiter und somit die Fachleute für die Anwendung Kollegen der eigenen Schule sind. So konnten Jochen Mann, Matthias Mucha und Jörg Arnold ihre Kollegen schulen und gleich auf schulspezifische Besonderheiten Rücksicht nehmen.
Das Feedback der Kollegen nach Schulung und erster Praxisphase ist überwiegend positiv. „Es gibt Plattformen mit Aufgabensammlungen für den Kfz-Bereich, die ich dann auf die individuelle Kompetenz der Schüler zuschneiden kann und digital bereitstellen kann. So gelingt individuelle Förderung sehr einfach“, lobt Olaf Straub die Möglichkeiten. Ganz ohne Kritik äußern sich allerdings weder Schüler noch Lehrer. „Die anfängliche Vorbereitung ist sehr zeitintensiv“, resümiert Jörg Arnold, „allerdings dürfte sich das nach den ersten Jahren amortisiert haben.“ „Wenn das WLAN nicht schnell genug ist, hängt alles“, sagt Vitali. Auch sei schwierig, dass die Tablets (noch) nicht mit nach Hause genommen werden dürfen und man die Aufgaben nicht noch mal zu Hause durcharbeiten könne. Was kein Problem mehr darstellt, wenn das eigentliche Ziel, dass jeder Schüler sein eigenes Tablet besitzt, erreicht ist.

 

Quelle
Schorndorfer Nachrichten, 22.06.18, B1
Pressearbeit
sa / Grafenbergschule